Web Analytics Made Easy -
StatCounter

Unser Weimaraner

Leserbrief an die Zeitschrift "der Hund" vom 13.12.2016

Liebe Redaktion von „Der Hund“,

wir, der Verein Vielseitiger Weimaraner e.V., möchten gerne das Bild des Weimaraners in der heutigen Zeit um Folgendes ergänzen.

Der Weimaraner ist ein Jagdhund - das ist richtig. Dennoch hat sich die Jagd im Laufe der Zeit gewandelt: Wochenend- oder Freizeitjäger, Ansitzjagd oder Jagd als "Hobby" überwiegen und die bejagbaren Flächen werden immer weniger.

Daher ist es sinnvoll, für den Weimaraner – und auch für andere Jagdhundrassen -, Alternativen zur Jagd zu finden. Der Weimaraner ist ein aktiver Hund, der ausgelastet werden muss und somit auch an Hundebesitzer gegeben werden soll, die sich dieser Aufgabe bewusst sind. Nur auf die Schönheit zu gehen, ist bei weitem nicht ausreichend – dann kann diese Rasse auch schnell mal zum „Problemhund“ werden. Neben der Jagd gibt es natürlich noch viele andere sinnvolle Beschäftigungen, die diese Rasse körperlich wie auch mental auslasten. Denn genau das ist die wichtige Kombination: eine rein körperliche Beschäftigung führt nur zu einer „Muskelmaschine“, der man nur selten Herr werden kann. Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Körper und Geist ist der richtige Weg. Und da gibt es viele Möglichkeiten: Dummyarbeit, Mantrailing, Fährtensuche, Ausbildung zum Rettungshund, um nur einige zu nennen.

Ca. 90% der Weimaraner-Züchter weltweit sind Nichtjäger und der größte Teil unter dem Weltverband FCI geborenen Weimaraner geht in Nichtjägerhände. Heutzutage werden die meisten Hunderassen nicht in ihrer ursprünglichen Aufgabe eingesetzt – und das gilt nicht nur für Jagdhunderassen. Ob Windhund, Portugiesischer Wasserhund, Dackel oder Labrador – nur die wenigsten üben ihren eigentlichen „Beruf“ aus. Denn auch der Hund – und damit auch der Weimaraner – hat in der heutigen Gesellschaft einen Wandel vollzogen: Vom Nutztier zum Begleiter.

Der einzig in Deutschland diese Rasse vertretende Klub unter dem VDH gibt dem Nichtjäger leider keine Chance - weder als Käufer noch als Züchter. Lediglich aussortierte oder zuchtuntaugliche Hunde finden in Nichtjägerhand einen willigen Käufer. Bis zum heutigen Tage kommen ausschließlich Jagdscheininhaber als Züchter und Deckrüdenbesitzer in Frage. Der Wesenstest fordert vom Weimaraner eine deutliche, wenn auch für brauchbare Jagdhunde notwendige, Schärfe. Dies ist in Zeiten von "Listenhunden" durchaus kritisch zu sehen. Benötigen wir in Deutschland wirklich so viele brauchbare Jagdhunde? Durch seine strenge, auf jagdliche Leistung ausgelegte Zucht, werden einer Zuführung von neuen Genen, auf Grund der Zuchtzulassungsprüfung der Hunde selbst und deren Eltern, deutliche Grenzen gesetzt. Für die Haltung und Zucht anderer Jagdhunderassen, auch für Vorstehhunde, ist weder ein Jagdschein noch eine Zuchttauglichkeitsprüfung notwendig.

In anderen FCI-Ländern gibt es nur jagdliche Anlageprüfungen, die auch von Nichtjägern absolviert werden dürfen, oder es wird ganz auf jagdliche Prüfungen verzichtet und die jagdliche Führung obliegt dem Besitzer. Eine rein auf Leistung geführte Zucht ist sehr fragwürdig, da Leistung von zu vielen Faktoren abhängt. Schon so mancher jagdliche Prüfungssieger stammt aus einer Showlinie aus dem Ausland ab oder aus rein jagdlichen Verpaarungen sind schussscheue Jagdversager hervorgegangen.

Das Ziel des Vielseitiger Weimaraner Vereins ist daher, die Zucht des Weimaraners zu öffnen und neuen, frischen und gesunden Blutlinien eine Chance in Deutschland geben. Wir wollen denen eine Plattform bieten, die den Weimaraner als Sport-, Rettungs- und Familienhund sehen. Der von uns gezüchtete Weimaraner soll gesund, arbeitsfreudig, schön und vor allem vielseitig sein.

Auch werden Hunde, die unter unserem Verein gezüchtet werden, nicht kupiert – wir halten uns an das Deutsche Tierschutzgesetz, das das Kupieren von Rute und Ohren untersagt. Jagdhunde aus anderen Zuchtlinien werden leider immer noch unnötigerweise kupiert – denn es gibt für bestimmte Jagdhundrassen, darunter auch der Weimaraner, eine Ausnahmeregelung. Diese ist höchst umstritten und wird seit Jahren von renommierten Tierärzten und Fachleuten immer wieder zur Diskussion gestellt.

Denn die Ausnahme vom Kupierverbot ist im Gesetz ausdrücklich nur für den „Einzelfall“ vorgesehen und nur, wenn es „für die vorgesehene Nutzung des Tieres unerlässlich ist“. Für jeden einzelnen Hund wäre also zu prüfen, wie er später jagdlich eingesetzt wird und ob das Kupieren dafür wirklich nötig ist.

 

Das steht aber oft noch gar nicht fest, wenn den Welpen mit drei Tagen die Ruten gekürzt werden. Zudem muss sichergestellt werden, dass die kupierten Welpen wirklich nur an Jäger abgegeben werden. Es handelt sich bei dieser Ausnahmeregelung nämlich nicht um eine Generalerlaubnis für bestimmte Jagdhunderassen. Doch einige Jagdhundvereine sehen das Kupieren geradezu als ihre Pflicht an, als Tierschutzmaßnahme. Allen Welpen werden die Ruten abgeschnitten. Die Studie, auf die sich diese Jagdhundvereine beziehen, ist schon mehr als 25 Jahre alt. In dieser Zeit hat sich das Halten von Jagdhunden aber stark verändert: Die in Deutschland von Jägern geführten Jagdhunde sind überwiegend Familienhunde und ihre Einsatzgebiete bergen keine große Gefahr für Rutenverletzungen. In unseren Nachbarländern Österreich und Schweiz gibt es schon seit Jahren ein Kupierverbot: Dort haben auch alle jagdlich geführten Hunde lange Ruten. Zudem ist der Hund mit langer Rute wesentlich besser lesbar: Die Schwanzspitze zeigt viel differenzierter seinen Erregungszustand – und das hilft auch dem Jäger bei der Jagd.

Ein weiterer wichtiger Grundsatz unseres Vereins ist, die Parallelzucht („Schwarzzucht“) des Weimaraners einzuschränken, die natürlich durch die Abgabepolitik des Klubs einen großen Käuferkreis für diese Rasse gefunden hat. Der Bedarf an Weimaranern in nicht jagdlich geführten Händen wird durch die Reglementierungen des Klubs nicht gestoppt, im Gegenteil, die Schwarzzucht blüht im Internet (meine Tierwelt/ebay usw.) und trägt so dazu bei, die Rasse durch wahllose Zucht mittel- und langfristig gesehen, krank zu machen.

vielseitiger Weimaraner e.V.   c/o Hartmut Seehuber  Zeppelinstraße 4   74385 Pleidelsheim